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Die Elternbeziehung ist die wichtigste Beziehung in der Familie

  • vor 17 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Ich bin überzeugt: Die wichtigste Beziehung in einer Familie ist die Beziehung der Eltern zueinander. Nicht, weil Kinder unwichtig wären – ganz im Gegenteil. Sondern weil Kinder aus dieser Beziehung unglaublich viel ableiten: Sicherheit, Stabilität, Orientierung. Und weil in einem Familienalltag, der oft voll ist, ausgerechnet diese Verbindung am leichtesten hinten runterfällt.

Damit meine ich nicht: „Kinder kommen erst an zweiter Stelle.“ Ich meine: Die Elternbeziehung ist das Fundament. Und selbst wenn im Außen alles halbwegs funktioniert – Termine, Kita, Schule, Arbeit, Haushalt – wird es innen irgendwann spürbar, wenn die emotionale Verbindung zwischen den beiden Menschen weniger wird, die das alles tragen. Das ist kein Nebenschauplatz. Das ist zentral und kann gravierende Folgen für die Familie haben.


Kinder lernen Beziehung nicht aus Worten, sondern aus eurem Umgang

Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Aber sie brauchen Eltern, die für sie spürbar da sind – nicht nur einzeln, sondern auch als Team. Dieses Gefühl von „Mama und Papa stehen zusammen“ ist für Kinder ein innerer Anker. Es schafft emotionale Sicherheit: Hier ist Halt. Hier gibt es eine Erwachsenenwelt, die trägt. Hier muss ich nicht ständig prüfen, ob die Stimmung umkippt.


Und Kinder lernen Beziehung nicht aus guten Sätzen, sondern aus dem, was sie erleben. Sie nehmen auf, wie ihr miteinander umgeht, gerade wenn es stressig ist:

  • Sprecht ihr respektvoll – oder wird jemand abwertend?

  • Dürfen beide gleich viel Raum haben – oder wird einer übergangen?

  • Wird zugehört – oder wird auf Durchzugeschaltet?

  • Gibt es Entschuldigungen und echte Versöhnung – oder bleibt eine unsichtbare Wand zwischen euch?

  • Darf man anderer Meinung sein, ohne dass es „gefährlich“ wird?


Das sind keine Kleinigkeiten. Kinder lernen daran, wie Kommunikation funktioniert, wie Streit geht und wie Nähe nach einem Konflikt wieder möglich wird. Streit an sich ist nicht das Problem. Manche glauben, eine „gute“ Elternbeziehung bedeutet, nie zu streiten. Das halte ich für unrealistisch – und auch nicht für das beste Vorbild.

Kinder dürfen sehen, dass Erwachsene Konflikte haben. Was sie wirklich prägt, ist etwas anderes: Ob ein Konflikt respektvoll bleibt. Ob danach wieder Verbindung möglich ist. Ob jemand bereit ist, Verantwortung zu übernehmen oder zieht sich einer komplett zurück?

Wenn Kinder erleben, dass Streit nicht automatisch Beziehung zerstört, sondern dass man wieder zueinander finden kann, dann lernen sie etwas unglaublich Wertvolles: Konflikte sind aushaltbar. Beziehung ist reparierbar. Ich muss nicht alles vermeiden, um geliebt zu werden. Ich darf für mich einstehen und kann trotzdem verbunden bleiben.



Augenhöhe ist kein Nice-to-have, sondern ein Modell

Für mich gehört zur Elternbeziehung auch etwas, was leider viel zu populistisch und inflationär genutzt wird: Gleichberechtigung. Nicht als Ideal auf einem Plakat, sondern ganz konkret: Wie werden Entscheidungen getroffen? Wessen Bedürfnisse zählen? Wer trägt welche Verantwortung? Wer hat wirklich Pausen – und wer hat nur „mal kurz“?

Kinder lernen an uns auch diese Fragen:

  • Darf man Bedürfnisse ausdrücken, ohne dafür kritisiert zu werden?

  • Darf man Nein sagen?

  • Darf man sich abgrenzen?

  • Darf man Interessen vertreten, ohne dass der andere kleiner gemacht wird?

  • Muss einer immer nachgeben, damit es „harmonisch“ bleibt?


Ich finde, eine Elternbeziehung auf Augenhöhe – geprägt von Liebe, aber auch von Fairness – zeigt Kindern: Beziehung bedeutet nicht, sich selbst zu verlieren. Und sie bedeutet auch nicht, den anderen zu dominieren. Sie bedeutet, gemeinsam zu schauen: Wie geht’s uns beiden? Was brauchen wir beide? Wie finden wir Lösungen, die nicht auf Kosten von einem gehen?


Warum die Paarbeziehung so oft in den Hintergrund rückt

Und jetzt kommt der Teil, der meiner Beobachtung nach fast immer passiert: Die Paarbeziehung rutscht nach hinten – nicht, weil die Eltern nicht wollen, sondern weil der Alltag so laut und voll ist.

Die Bedürfnisse der Kinder sind sichtbar, dringlich, konkret. Hunger, Müdigkeit, Schule, Tränen, Streit, Nähe. Das fühlt sich „nicht verhandelbar“ an. Und dann wird schnell das verhandelbar, was zwischen den Erwachsenen passiert: Gespräch, Zärtlichkeit, Humor, echtes Interesse, ein Gefühl von Wir.


Viele Paare werden dabei zu einer Art Projektleitung: Zuständigkeiten, To-do-Listen, Übergaben. Und ich verstehe das total – das ist oft schlicht notwendig. Aber wenn es dauerhaft nur noch so läuft, wird es innerlich enger. Dann ist man zwar ein Team im Funktionieren, aber nicht mehr im Verbundensein.

Und genau da verlieren Paare oft etwas Entscheidendes. Das geschicht nicht von heute auf morgen, sondern es schlecht sich langsam ein.


Was passiert, wenn wir die Paarbeziehung nicht mehr im Fokus haben

Ein Punkt ist mir dabei wichtig – und er wird oft missverstanden: Kinder dürfen nie das „Bindemittel“ einer Beziehung sein. Das wäre auch zu viel Last für die Kinder. Aber faktisch passiert etwas Ähnliches: Kinder bündeln unglaublich viel gemeinsame Aufmerksamkeit, Gespräche und Aufgaben. Man ist automatisch verbunden, weil es so viel zu managen gibt. Und manchmal fühlt sich dieses gemeinsame Abarbeiten wie Nähe an, obwohl es eher gemeinsame Verantwortung ist.

Wenn Kinder dann größer werden, verändert sich dieses Bindeglied. Die Kinder brauchen nicht mehr in derselben Dichte unsere Präsenz, unsere Abstimmung, unsere ständige Beschäftigung. Und genau dann zeigt sich häufig, was vorher überdeckt war: Was ist eigentlich noch zwischen uns, wenn nicht mehr ständig „Kinder-Alltag“ den Gesprächsstoff liefert? Was verbindet uns als Paar – jenseits von Organisation?


Wenn in den Jahren davor wenig Raum war für echte Paardynamik, kann sich an dieser Stelle eine Leere zeigen: Wir leben nebeneinander. Wir haben viel gemeinsam erledigt, aber wenig gemeinsam geteilt. Wir sind als Eltern eingespielt, aber als Paar fremder geworden.


Und dann taucht dieser Satz auf, den viele kennen: „Wir haben uns auseinandergelebt.“ Er beschreibt selten etwas Plötzliches. Er beschreibt meistens einen Prozess: Verschieben statt klären. Durchhalten statt hinsehen. Erschöpfung, die Nähe austrocknet. Konflikte, die nicht bearbeitet werden und sich ablagern. Ungleichgewichte, die man lange „irgendwie“ mitträgt – bis es nicht mehr geht.

Und genau hier entstehen später oft die Trennungen und Scheidungen: meist nicht, weil auf einmal ein einzelnes Ereignis alles zerstört, sondern weil sichtbar wird, dass die Beziehungssubstanz über Jahre zu wenig Raum hatte.


Mir geht es um eine einfache Klarheit: Kinder profitieren am meisten davon, wenn die Erwachsenen, die sie tragen, miteinander verbunden bleiben. Wenn sie sich respektieren. Wenn sie Konflikte klären. Wenn sie nicht gegeneinander leben. Wenn sie sich als Partner nicht komplett verlieren. Das ist keine Romantik-These. Das ist für mich eine Familien-These.


Fazit

Eine starke Elternbeziehung ist kein Luxus. Sie ist kein „nice-to-have", wenn mal Zeit ist. Sie ist das Fundament, auf dem Familienalltag stabil werden kann.

Und gerade weil Kinder so viel Aufmerksamkeit brauchen und verdienen, darf die Elternbeziehung nciht in den Hintergrund rücken. Denn wenn Mama und Papa ein Team sind – nicht perfekt, aber verbunden – dann entsteht etwas, das Kinder nicht durch noch mehr Programm bekommen: Sicherheit. Orientierung. Und ein echtes Gefühl von Zuhause.


Wenn du dir erst mal einen kleinen Einstieg wünschst, dann ist mein kostenloser Beziehungsbooster vielleicht genau richtig. Du findest ihn hier. Und wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass bei euch mehr drunterliegt als „nur“ Alltag und Stress, kannst du danach jederzeit ein Kennenlerngespräch mit mir buchen – ohne Druck, einfach zum Sortieren, Einordnen und Schauen, was euch als Paar wirklich helfen würde.

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