Dir graut es vor der Sommerferien? Ja, kann ich verstehen
- vor 1 Tag
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Sechs Wochen ohne Schule, und trotzdem fühlst du dich platter als im normalen Wahnsinn. Woran das liegt, und was dir hilft, den Sommer wirklich zu mögen statt ihn nur zu überstehen.

Also, ich sag dir mal, wie es bei mir gerade ist. Bei uns in Bayern fangen in einer Woche die Ferien an und für mich sind es die ersten richtigen Sommerferien. Meine Tochter hat die erste Klasse hinter sich und sechs Wochen ohne Schule (und ohne Kindergarten), das ist für uns komplett neu.
Und ich freu mich darauf. Auf Morgen, an denen wir einfach liegen bleiben und nirgendwo hin müssen. Kein Streit über Hausaufgaben. Kein Blick auf die Uhr. Einfach schauen, worauf wir Lust haben. Und ich freu mich auf den Urlaub, den wir planen.
Und trotzdem, wenn ich ehrlich bin, hab ich auch ein bisschen Bammel. Vor dem Chaos zu Hause, das kaum in den Griff zu kriegen ist, wenn den ganzen Tag alle da sind. Davor, dass die Kinder jetzt viel mehr aufeinanderhocken. Und vor diesem Gefühl, dass ab jetzt einfach alles den ganzen Tag an mir hängt.
Falls du das kennst, dieses "ich freu mich riesig" und gleichzeitig "oh Gott, sechs Wochen" im selben Moment, dann lies weiter. Du bist damit nämlich nicht die Einzige. Ich hör das jeden Sommer von Frauen, die sich wochenlang auf die freie Zeit mit ihren Kindern gefreut haben und dann am dritten Tag in der Küche stehen und denken: Warum bin ich eigentlich so fertig?
Die ersten paar Tage sind super. Und dann kommt Woche zwei
Am Anfang ist es wunderbar. Kein Pausenbrot morgens, keiner, der brüllt, weil die Sportsachen fehlen. Du trinkst deinen Kaffee, solange er noch warm ist. Ein Traum.
Und dann wird es kritisch. Das Haus ist ständig voll, weil ja keiner mehr geht. Die Küche war um zehn schon fünf Mal in Benutzung. Einer langweilt sich, der andere zofft sich mit dem, der sich langweilt. Und die schönen Ausflüge, die du dir extra rausgesucht hast, sind entweder schon durch, teurer als gedacht oder du packst dafür sieben Taschen, lädst das Auto drei Mal ein und aus und schmierst unterwegs sich bewegenden Kindern Sonnencreme ins Gesicht.
Woran das liegt (und nein, du machst nichts falsch)
Der Grund ist eigentlich ganz simpel. Im normalen Alltag gibt es einen Teil vom Tag, der von allein läuft. Schule und Kindergarten sind Systeme, die außerhalb von dir existiert. Die Kinder haben einen Rhythmus, eine Beschäftigung, ein Ziel für den Vormittag. Und du hast ein paar Stunden, in denen nicht der komplette Familienalltag an dir lastet.
In den Ferien ist genau das weg. Und weißt du, was den Job übernimmt? Du. Deine Planung, deine Ideen, deine Nerven, deine Fähigkeit, alle satt, halbwegs beschäftigt und einigermaßen friedlich zu halten. Wenn plötzlich eine Person das macht, was sonst ein ganzes System und im besten Fall noch ein zweiter Erwachsener auffangen, dann bist du abends eben durch. Das hat nichts damit zu tun, dass du dich blöd anstellst. Das ist einfach zu viel für einen Kopf.
Warum "dann plane ich den Sommer eben besser" häufig nach hinten losgeht
Der erste Reflex ist oft, noch mehr zu organisieren. Noch ein Ausflug, noch eine Bastelidee, noch ein durchgetakteter Plan, damit bloß keine Langeweile aufkommt und keiner meckert.
Das Ding ist nur: Jede zusätzliche Aktion landet wieder bei dir. Du suchst sie raus, du planst sie, du packst dafür, du hältst sie am Laufen. Je voller der Ferienplan, desto voller dein Kopf. Ein bis obenhin durchgeplanter Sommer ist kein entspannter Sommer, sondern ein zweiter Vollzeitjob, den du dir selbst aufhalst.
Was tatsächlich hilft
Gib einzelne Wochen bewusst ab. Ferienbetreuung ist keine Notlösung, das ist eine richtig gute Entlastung, für alle. Meine Tochter fährt eine Woche auf einen Pferdehof, auf dem sie letztes Jahr schon war und auf den sie sich schon seit Wochen freut. Sie erlebt was Eigenes und ich in meinem Fall habe Zeit nur für die Kleine. Sowas darfst du fest einplanen, ganz ohne schlechtes Gewissen.
Lass die Langeweile ruhig kommen. Du musst deine Kinder nicht den ganzen Tag bespaßen. Kinder, die sich langweilen dürfen, fangen irgendwann von selbst an, sich was auszudenken. Das ist kein Zeichen, dass du zu wenig machst. Das ist genau der Punkt, an dem sie kreativ werden.
Ein grober Rhythmus reicht. Kinder brauchen keinen Stundenplan, aber ein paar feste Punkte im Tag tun allen gut. Irgendwas am Vormittag, eine ruhige Runde am Nachmittag, gemeinsam essen. Das ersetzt ein Stück von der üblichen Struktur und du musst trotzdem nicht jede Minute verplanen.
Gib ganze Bereiche ab, nicht einzelne Aufgaben. Wenn dein Partner fragt "was soll ich tun", ist das noch keine Entlastung, dann denkst du ja weiter mit. Es wird erst leichter, wenn er einen ganzen Bereich übernimmt und den auch im Kopf behält. Die komplette Urlaubsplanung zum Beispiel. Oder feste Tage, an denen er allein mit den Kindern dran ist, mit Essen, Programm, allem. Nicht nur das Ausführen wandert rüber, sondern auch das Drandenken.
Vergiss den Instagram-Sommer. Deine Kinder erinnern sich später nicht an die perfekt inszenierten Ausflüge. Sie erinnern sich an das Eis, das ihr spontan geholt habt. An den Nachmittag, an dem ihr einfach im Garten rumgehangen seid. Die schönen Momente passieren im ganz normalen Alltag, nebenbei, nicht bei den großen Aktionen, für die du dich vorher halb kaputt organisierst.
Du darfst beides fühlen, gleichzeitig. Du kannst deine Kinder über alles lieben und dir am dritten Ferientag trotzdem heimlich den ersten Schultag herbeisehnen. Das eine macht das andere nicht kaputt. Und ehrlich, das dauernde schlechte Gewissen kostet oft mehr Kraft als die Ferien selbst. Also lass dir das gesagt sein: Du bist deswegen keine schlechtere Mama.

Und wenn du in den Ferien arbeiten musst?
Ganz ehrlich, sechs Wochen freihaben klingt für viele nach einem Witz. Die meisten haben überhaupt nicht die Möglichkeit, sich so lange frei zunehmen. Heißt: Ein großer Teil der Ferien läuft neben dem Job. Und dann wird die Frage, wer die Kinder wann hat, nochmal eine ganz andere Nummer.
Genau hier lohnt es sich, früh und ehrlich zu planen und zwar nicht allein im Kopf, sondern zusammen. Wer springt an welchen Tagen ein? Können die Großeltern eine Woche übernehmen? Wann nimmt der Papa frei? Gibt es eine Ferienbetreuung über die Gemeinde oder den Verein, die günstiger ist als gedacht?
Wenn du nicht alleine für all das verantwortlich sein willst, dann traue dich, dass auch offen zu kommunizieren. Wenn du diejenige bist, die Wochen vorher alle Betreuungslücken im Kopf hat und hinterher telefoniert, dann hast du den Mental Load schon wieder komplett übernommen, bevor die Ferien überhaupt losgehen. Setzt euch lieber einmal zusammen an den Kalender, teilt die Wochen auf und haltet fest, wer für welchen Block zuständig ist. Auch fürs Organisieren, nicht nur fürs Dasein.
Und wenn das alles nicht reicht?
Manchmal steckt mehr dahinter als nur der Ferienstress. Wenn du merkst, dass du nicht bloß im Sommer am Limit bist, sondern eigentlich das ganze Jahr über das Gefühl hast, dass alles an dir hängt, dann sitzt das oft tiefer. Der ganze Mental Load hat sich über die Jahre so eingeschlichen, dass ihn irgendwann keiner mehr sieht, nichtmal du selbst. Da hilft dann kein weiterer Tipp, sondern einmal in Ruhe hinschauen, was da eigentlich alles bei dir gelandet ist und wie ihr das anders verteilen könnt.
Wenn du da mal in Ruhe draufschauen willst
Wenn du dich hier wieder erkennst und das Gefühl kennst, dass dein Kopf irgendwie nie so richtig Feierabend hat, dann lohnt sich genau dieser Blick. Dafür gibt es Mental Load Klarheit in 60 Minuten. Du sortierst für dich, strukturiert was alles bei dir im Kopf herumschwirrt, wo du wirklich was abgeben kannst, was dich innerlich daran hindert es abzugeben. Nach dieser einen Stunde wirst du klarer und fokussierter sagen können, was dir konkret am meisten stresst und welchen Schritt du als nächstes gehen musst.
Ich weiß hier lesen Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten mit, darum würde mich echt interessieren, wie sehen deine Sommerferien aus? Schreibe mir gerne in den Kommentaren :-)
FAQ
Ist es normal, dass ich in den Ferien gestresster bin als sonst?
Ja, total. In den Ferien fällt die Struktur weg, die im Alltag einen Teil des Tages von allein trägt, und der Job landet komplett bei dir. Mehr Programm, weniger Halt von außen, das erklärt das Gefühl ziemlich gut.
Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich mir die Schule zurückwünsche?
Nein. Du wünschst dir keine Zeit ohne deine Kinder, du wünschst dir eine Pause. Das ist ein Unterschied. Liebe und "ich kann grad nicht mehr" schließen sich nicht aus.
Wie binde ich meinen Partner ein, ohne alles erklären zu müssen?
Indem du ganze Bereiche abgibst statt einzelner Aufgaben. Nicht "kannst du die Kinder um drei holen", sondern "der Mittwoch gehört komplett dir, mit allem was dazugehört". Dann wandert nicht nur das Machen rüber, sondern auch das Mitdenken und du darfst lernen, dass Sachen anders gemacht werden, als du es gewöhnt bist :-)






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