Prokrastination – Die „Aufschieberitis“ die allemal erwischt



Prokrastination war für mich lange ein echtes Problem und es hat mich über eine Zeit hinweg intensiv begleitet. Im Studium habe ich mich häufig erst auf den letzten Drücker um meine Hausarbeiten und Referate gekümmert, also erst, wenn der Faktor Zeit drohend über meinem Kopf schwebte und mich richtig stresste. Im Angestelltenjob hatte ich dieses Problem nicht so ausgeprägt. Dort war ich disziplinierter und viele Aufgaben waren mit kurzfristigen Deadlines verbunden, sodass der Zeitfaktor meistens von außen vorgeben wurde. Dafür holte es mich häufig am Abend oder am Wochenende ein, wenn ich mich eigentlich um private Projekte kümmern wollte und statt zu arbeiten, den Haushalt machte oder eine andere wichtige Aufgabe als Ablenkung fand. Aber die tollste Art der Prokrastination ist, nach Methoden gegen Prokrastination zu googeln.


Seit dem meine Tochter auf der Welt ist, bin ich jedoch an diesem Punkt disziplinierter geworden, weil die Zeit, die einem zur Verfügung steht prinzipiell weniger geworden ist und ich habe meine Methoden entwickelt damit umzugehen.


Meine Learnings, die sich für mich bewährt haben:

  • Fange mit einem kleinen Zeitfenster an. Sag dir, dass mache ich jetzt z. B. 10 Minuten und dann kann ich wieder aufhören. 10 Minuten tun nicht weh und der Start fällt leichter. Vermutlich wirst du dann schon wieder so im Flow sein, dass du einfach weiterarbeitest.

  • Perfektionismus ablegen. Egal um was es geht, ob du die Sporteinheit exakt machen möchtest, das Bad auf Hochglanz polieren willst oder endlich das eine wichtige Projekt abschließen möchtest: du willst es perfekt machen. Aber Perfekt schreckt ab, weil es anstrengend ist und so wird erst gar nicht angefangen. Mein Credo ist, einfach anfangen und schauen wie weit man kommt. Wie Sheryl Sandberg sagt: "Done is better than perfect."

  • Wenn du am Schreibtisch arbeitest, dann lege dir eine Ablenkungsliste hin. Notiere dir hier alles, was dir in den Sinn kommt, was du jetzt gerne machen willst oder musst. Du kannst sicher sein, dass du es nicht vergisst und das hilft um es aus dem Kopf zu bekommen.

  • Stell dir eine Belohnung in Aussicht. Zum Beispiel, dein Lieblingsessen, Schokolade oder was auch immer dich motiviert und worauf du dich nach der Arbeit freuen kannst.

  • Überlege kurz, warum du dich jetzt drückst. Das bewusst werden, warum man sich mit der Aufgabe schwertut, hilft dir dich dem zu stellen und gezielt dagegen vorzugehen. Häufig ist der Grund, dass wir einfach nicht wissen, was von uns erwartet wird, wo wir anfangen sollen oder dass wir zu hohe Ansprüche an uns selbst haben oder das genaue Gegenteil, dass uns die Aufgabe langweilt. In dem wir uns des Grundes bewusst werden, wird der Task nicht spannender aber es gibt einem dennoch eine gewisse Klarheit was das Problem ist und so die Möglichkeit nach einer Lösung zu suchen.

  • Bei umfangreicheren Aufgaben überlege dir, welche Schritte notwendig sind, damit du die Aufgabe erledigen kannst. Das heißt, mach dir eine kurze schriftliche Aufgabenliste mit den To Do‘s die anstehen. Dann siehst du genau, was gemacht werden muss. Das wirkt entweder beruhigend, weil du siehst, dass es überschaubar ist oder du gerätst doch in Panik und der Zeitdruck bringt dich zum Arbeiten. Wichtig ist, dass du die Liste schnell erstellst und nicht anfängst einen Projektplan zu basteln, das würde dich dann wieder in die Prokrastination verfallen lassen.


Ein paar interessante Ansätze zu diesem Thema bietet John Perry in seinem Buch „Einfach liegen lassen“. Die folgenden Punkte aus seinem Buch haben mir geholfen, das Ganze auch mal aus einer etwas anderen und auch positiven Perspektive zu sehen. Als positiven Aspekt des Prokrastinierens ist dass, wir Raum für neue Ideen schaffen. Eine Aufgabe vor sich her zu schieben ist bestimmt nicht der effizienteste Weg, eine Sache zu erledigen. Jedoch bietet es die Möglichkeit, kreative Ideen oder andere Betrachtungsweisen zuzulassen, weil die Aufgabe, durchs ständige verschieben uns immer wieder Kopf herumschwirrt, können wir auf neue Lösungsansätze kommen. Er nennt einen weiteren interessanten Punkt in seinem Buch. Prokrastinierer brauchen eine lange To Do Liste und der Trick dahinter ist, die wichtigste Aufgabe nicht ganz weit nach oben zusetzen und stattdessen eine andere Aufgabe an Platz eins zu platzieren. Es ist eine Methode der Selbsttäuschung. Wir sollen dadurch das tun, was wir müssen, obwohl wir eigentlich prokrastinieren, indem wir Platz 1 auf unserer To Do Liste nicht machen.


Das Aufgaben aufgeschoben werden, haben wir in allen Bereichen unseres Lebens. An mancher Stelle ist es nicht weiter schlimm, an anderer kann es uns Probleme und Stress bereiten. Aber auf jeden Fall ist es keine Lösung sich deswegen selber zu Geiseln und zu Ärgern, dass man etwas gerade nicht macht. Im Zweifel einfach anfangen und mit einem guten Gefühl und einer gesteigerten Zufriedenheit irgendwann wieder aufhören. Ich habe vor ein paar Tagen eine spannende Aussage gehört, welche mir in Erinnerung geblieben ist: "Es sind nicht die herausfordernden und anstrengenden Aufgaben die uns quälen, sondern die die wir nicht machen."



Alles Liebe,

deine Anna